Zum Inhalt springen

Musikwissenschaft

| Auflistung Publikationen und wissenschaftlicher Tätigkeiten / List of publications and research activities

| Beiträge zu Konferenzen / Conference Contributions

mit / with Dr. Wolf-Georg Zaddach: Doing Jazz in 2020: Working Conditions and Self-Conceptions of Young Professional Jazz Musicians in Germany at the VIth Rhythm Changes Conference ("Jazz Now!"), Amsterdam 08/2020 (postponed to 2022).

Doing Jazz in Germany in 2019: Exploring Structures, Networks and Young Professional Artists' Self-Conceptions. Abstract for Jazz Showcase and Workshop of the International Jazz Studies Group at Müpa Budapest, 7.-9. Februar 2020.

"Jazz Instead of Stress" – Everyday Life and Music in GDR Jazz Communities under State Socialism. Abstract/Poster Proposal for Documenting Jazz Conference at Birmingham City University, Januar 2020.

Jazz in der DDR. Kulturtransfer, Aneignung und eigen-sinnige Jazz-Gemeinschaften in Thüringen 1963-1989.  Konferenzbeitrag: Musik und ihre gesellschaftliche Bedeutung in den Staats- und Postsozialistischen Ländern Mittel und Osteuropas seit 1945, Herder-Stiftungsrat, Marburg, Juni 2019.

Jazz in the GDR. Cultural Transfer, Appropriation and Nonconformist Jazz Communities of "Eigen-Sinn" in Thuringia 1963-1989. Konferenzbeitrag zu Jazz Journeys, The Sixth Rhythm Changes Conference, April 2019, Graz.

Jazz in the GDR: An Experimental Ground for Historicization. Abstract for Conference WRITING THE NOISE- 2nd International Conference of the Interdisciplinary Network for the Study of Subcultures, Popular Music and Social Changes, September 2018, Reading (UK).

Jazz in Jena in den 1980er Jahren. Artikel, Zeitschrift "Gerbergasse 18" der Geschichtswerkstatt Jena e.V., Ausgabe 02/2017.

 

Promotionsvorhaben

Jazz in der DDR. Musik, Szenen und Zwischentöne im Staatssozialismus am Beispiel der Region Thüringen

Jazz in der DDR war vielfältig, teils subversiv, oft nonkonformistisch und trug stets den Gedanken der Freiheit mit sich. Ihm gegenüber stand ein starrer Staatsapparat, dessen Kulturbehörden zwischen Repression, Kontrolle und Vereinnahmung changierten. Jazz war zu jedem Zeitpunkt der DDR-Geschichte gesellschaftlich, sowie künstlerisch vertreten, relevant, und bot ständige Reibungspunkte zwischen Staat und der dem Jazz geneigten Bevölkerung. Das Forschungsvorhaben untersucht mittels Theorien des Kulturtransfers die zeithistorischen Zusammenhänge, stilistische Aspekte und Aneignungsformen von Jazz einerseits, sowie andererseits die kulturbehördlichen Kontrollstrukturen und das Vorgehen gegen diese Musik und ihre Akteure. In einer breiten Regionalstudie über die Jazzszenen Thüringens, die sich aus Gemeinschaften und Netzwerken von Jazzfans und Jazzklubs konstituierten werden mit alltagsgeschichtlichem Zugang die Perspektiven von Menschen untersucht, die in einer Diktatur eigensinnig „ihre“ Musik hören, aufführen und veranstalten wollten.

Akademische Laufbahn

2017 – Dez. 2021: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Forschungskolleg "Die DDR und die europäischen Diktaturen nach 1945" im Rahmen eines Promotionsvorhabens. Promotionsprojekt  zum Thema "Jazz in der DDR" an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar bei Prof. Dr. Martin Pfleiderer, Lehrstuhl "Geschichte des Jazz und der Populären Musik" und Prof. Dr. Annette Weinke vom Historischen Institut der FSU Jena. Juni–Dezember 2021 Abschlussstipendium der Stiftung Ettersberg für europäische Diktaturforschung (Weimar). 2017 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der LAG Songkultur (Dachverband für populäre Musik in Thüringen).

2012 – 2015: Studentische Hilfskraft an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar beim DFG-Projekt "Melodisch-rhythmische Gestaltung von Jazzimprovisationen. Rechnerbasierte Musikanalyse einstimmiger Jazzsoli" bei Prof. Dr. Martin Pfleiderer.

2012 – 2015: Studium Musikwissenschaft im Masterprofil "Geschichte des Jazz und der populären Musik"  an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, Abschluss 2015 ("sehr gut"). Masterarbeit zu Jazz in Jena in den 1980er Jahren. Parallel praktische Tätigkeit im Kulturmanagement als Projektleiter der Landesjugendbigband Thüringen (2012-2016), Projektkoordination und PR bei Jazzmeile Thüringen (2012-'2016) sowie freie Mitarbeit im Landesmusikrat Thüringen e.V.

2007 – 2012: Studium Historische und Systematische Musikwissenschaft an der Universität Leipzig (B.A.), Nebenfächer u.a. Philosophie und Kommunikations- und Medienwissenschaft. 2012 sechs-monatiges Praxissemester in der Scuola Jazz Cesena, Italien.

| Über das Graduiertenkolleg "Die DDR und die europäischen Diktaturen nach 1945"

Weiterführende Informationen zum Graduiertenkolleg "Die DDR und die europäischen Diktaturen nach 1945" finden sich im derzeit auf Seite 10 des Jahresberichts 2017 der Stiftung Ettersberg deren Vorstandsvorsitzender, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller gleichzeitig Wissenschaftlicher Leiter des Graduiertenkollegs ist.

| Ausführliches Exposé des Promotionsprojekts

Freie Improvisation und totalitäre Kontrolle?
JAZZ IN DER DDR
Musikkultur, Eigensinn und staatssozialistische Zwischentöne in Thüringen 1949-1989

Jazz in der DDR war kreativ, vielfältig, nonkonformistisch-subversiv und trug Gedanken der Freiheit und des Eigensinns mit sich. Ihm gegenüber stand ein ideologischer Staatsapparat, dessen Partei und Kulturinstitutionen zwischen Repression, Kontrolle und Vereinnahmung changierten. Jazz als kulturelle und soziale Praxis war zu jedem Zeitpunkt der DDR-Geschichte gesellschaftlich sowie künstlerisch vertreten, relevant, und offenbarte ständige Reibungspunkte zwischen dem Staat und der dieser Musik geneigten Bevölkerung. Das Forschungsvorhaben untersucht mittels Theorien des Kulturtransfers die zeithistorischen Zusammenhänge, stilistisch-ästhetische Aspekte und Aneignungsformen von Jazz einerseits, sowie andererseits die kulturbehördlichen Strukturen und Institutionen, das Vorgehen gegen und Vereinnahmungen dieser Musik und ihrer Akteure. In einer Regionalstudie über die Jazzszenen Thüringens, die sich aus Gemeinschaften und Netzwerken von gesellschaftlich angebundenen Jazzklubs konstituierten, werden mit erfahrungs- und lebensgeschichtlichem Zugang die Perspektiven von Menschen untersucht, die gegen oder neben der Diktatur eigensinnig „ihre“ Musik hören, aufführen und veranstalten wollten.

In der musikwissenschaftlichen Beschäftigung mit Jazz in der DDR sind Ansätze aus dem Feld der Kulturtransferforschung bislang noch eher die Ausnahme.[1]Die komplexe Dynamik zwischen SED-Staat und Jazzakteuren lässt sich jedoch am ehesten durch multiperspektivische Ansätze untersuchen.

Neben der Betrachtung historischer Ereignisse, politischer Kontexte und Strömungen des Jazz in der DDR ermöglicht der Theorie-Rahmen Kulturtransferden Blick auf die sozialen, kulturellen und musikalischen Praktiken und Charakteristika, die sich um den Jazz in der DDR entwickelten. Aneignung ist der zentrale Schlüsselbegriff des Projektes. Auch die Popularmusikforschung entdeckte diesen kürzlich unabhängig vom Kulturtransferdiskurs, was zu einer Weiterentwicklung des Begriffskonzepts für Jazz ermutigt.[2]Aneignung ist Sich-Zu-Eigen-Machen, ein informelles Lernen und sich einer Sache bemächtigen, sie steht im weiteren Bedeutungszusammenhang mit eigenwillig und eigensinnig.[3]

Dieser im Kern systematische Begriff wird angewandt auf konkrete künstlerische Prozesse und Vergemeinschaftungen mittels derer sich Musiker, Fans und Akteure Jazz in der DDR-Zeit aneigneten, die sich aus umfassenden lebensgeschichtlichen Erzählungen und generationellen Erfahrungsschichten erschließen. Er wird vorgeschlagen als ästhetisch neutraler und akteurszentrierter Zugang zu einer Betrachtung der vielfältigen Aushandlungsprozesse, die über und mit Jazz ausgetragen wurden und ermöglicht das Auffinden von Rückkopplungen auf die Gesellschaft der DDR.

Ziele sind, Erfahrungen, Spektren des Handelns und Aneignungsformen von Jazzmusikern und Jazzfans während des gesamten Zeitraums des DDR-Staatssozialismus greifbar zu machen und am Exempel Thüringens „dicht“ soziale und kulturelle Praxis abseits der Metropolen zu betrachten, und darüber hinaus neue Erkenntnisse über die Geschichte des Jazz in der gesamten DDR zu gewinnen.

Neben umfassender thematischer Literatur- und Recherchearbeit wurden bislang 10 Interviews mit Zeitzeugen und Jazzexperten aus den verschiedenen damals aktiven Jazzszenen Thüringens geführt. Zusätzlich zu kulturbehördlichen Zeugnissen und Stasi-Dokumenten wurden Dokumente des Alltagslebens von Jazzmusikern in der DDR, sowie interne Dokumente der konkreten Jazzclubarbeit ausfindig gemacht. Geplant sind weiterhin ca. 10 Interviews mit professionellen Jazzmusikern sowie erneut ausgedehnte Archivreisen (SAPMO, BStU, Privatarchive).

 

Keywords
Jazz, DDR, Kulturtransfer, Erfahrungsgeschichte, Musikgeschichte, Zeitgeschichte Diktaturforschung, Aneignungsformen populärer Musik, Kunst im Staatssozialismus, Eigensinn.

[1]Vgl. Christian Schmidt-Rost: Jazz in der DDR und Polen. Geschichte eines transatlantischen Transfers,2015.

[2]Dietmar Elflein und Bernhard Weber (Hrsg.): Aneignungsformen populärer Musik. Klänge, Netzwerke, Geschichte(n) und wildes Lernen, 2017 und Holger Schwetter, ebd.

[3]Vergleichbar mit dem vielbeachteten Begriff „Eigen-Sinn“ des Historikers Alf Lüdtke, ebd.: The History of Everyday Life. Reconstructing Historical Experiences and Ways of Life,1995, S.313-314.